Der Clown

Der Clown, der traurig war.

Die Kinder und Erwachsenen kennen nur sein lustiges Gesicht. Wenn er vor seinem Publikum steht, macht er seine einstudierten Späße, tollt herum, macht tapsige Bewegungen und lacht über sich. Ja, es gelingt ihm immer, die Leute zu begeistern, und es freut ihn, wenn er merkt, dass er gut ist. Wie schwer ist es, lustig zu erscheinen, wenn das Herz traurig ist. Doch danach fragt niemand. Es ist sein Beruf, Menschen zum Lachen zu bringen. Man erwartet von ihm nichts anderes. Keiner denkt in dem Moment daran, dass auch ein Clown nur ein Mensch ist, der wie jeder andere seine Hochs und Tiefs im Leben erlebt.

Heute hat er einen traurigen Tag. Jeder kennt solche Tage. Da ist einem eben nicht zum Lachen zumute.

„Wie werde ich den Tag überstehen? Wenn ich bloß heute keinen Auftritt hätte. Am liebsten würde ich mich verkriechen, einfach krank machen. Ich bin ja so einsam.“ So denkt der Clown, und seine Traurigkeit nimmt durch solche Gedanken noch zu.

Er lebt alleine, sehnt sich nach Liebe und Geborgenheit, nach Wärme und Zuneigung. Die vielen Menschen, die er allwöchentlich sieht, sind kein Ersatz. Sie lassen ihn für Stunden sein Schicksal vergessen. Doch auch er möchte einmal glücklich sein, möchte erleben, dass sich jemand auf ihn freut, wenn er aus dem Zirkuszelt kommt. Bei diesem Menschen möchte er so sein, wie er wirklich ist. Das wäre für ihn Erholung für Leib und Seele. Dann könnte er von Herzen lachen, ein echtes, von innen kommendes Glücksgefühl würde sein Gesicht zum Strahlen bringen. Es würde ihn dann gar nicht anstrengen. Das Fröhliche würde ganz von selbst kommen und sich auf die Zuschauer übertragen. Solche Gedanken gehen ihm durch den Kopf, während er sich für seinen Auftritt zurecht macht. Es kostet ihn heute so viel Überwindung. Er zieht die rote Umrahmung seines Mundes höher als sonst, damit er leichter lächeln kann.

Vor ihm, in der ersten Reihe, sitzt eine Frau, die ihm gefällt. Sie ist alleine und sieht irgendwie traurig aus, das meint er, zu erkennen. Wahrscheinlich hat sie Kummer und will sich hier ablenken, so denkt er. Ja, für sie will er heute sein Bestes geben. Er will sie zum Lachen bringen und vergisst dadurch seinen eigenen Schmerz.

Heute gibt er eine Vorstellung nur für sie. Ob sie etwas davon merkt? Zum Abschluss seiner Vorstellung, während die anderen tüchtig Beifall klatschen, verneigt er sich besonders vor ihr, zieht seinen Hut, und scheinbar bewirkt sein kahler Kopf und sein drolliges Aussehen, dass die Frau lächelt und sich ebenfalls etwas verneigt, so als wollte sie sich für die spezielle Aufmerksamkeit von ihm bedanken. Ein Glücksgefühl erhellt sein Inneres. Er fühlt sich besser, und alles Schwere ist in diesem Augenblick von ihm gewichen. Er hat seinen Tiefpunkt überwunden.

Vor dem Einschlafen sieht er noch im Geiste ihr Lächeln, das ihn so angenehm berührt hat und mit diesem Bild vor Augen schläft er ein.






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